Silas bloggt

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  • Wirklichkeit im Glanz der Wahrheit


    Gewidmet Josh. N. zum 30. Geburtstag


    Unlängst prägte sich mir ein atmosphärisch dicht geladenes Bild ein. Ich befand mich mit meiner Familie auf einem Bauernhof und blickte aus erhöhter Lage hinab auf eine Szenerie der reinsten Fülle. Vor einer alten Scheune standen zwei an eine alte Kutsche gezäumte Pferde. Neben dem Gefährt unterhielten sich zwei rundlich-rotwangige Männer, deren Gespräch nur von ihren kräftigen Schlucken aus den eilig für sie herbeigebrachten Gerstensäften unterbrochen wurde. Vor ihnen auf dem sonnenüberfluteten Boden lag ein kleiner Hund, der lustvoll vor sich hindöste. Neben dem Wagen war ein alter hölzerner Torbogen zu erblicken über welchem alte Gerätschaften zur Schau aufgehängt waren. Links neben dem Wagen blickte ein Fohlen aus der halb geöffneten Stalltür und ergötzte sich neugierig an der Betriebsamkeit. Nicht weit daneben stand ein Vater, der mit seiner grossen, vom Wetter gegerbten rechten Pranke die feine Hand seines Sohnes zärtlich umschloss.

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  • “Ein neuer Mensch werden” – Subjektivistische Gedankenfragmente über die Regungen der Seele in der Krise


    _PROLOG_
    Im letzten Jahr war es soweit: Mein verbissener Ehrgeiz kollidierte mit der Grenze meiner seelischen Kapazität. Meine mangelnde Bereitschaft, auch mal nicht alles zu geben, prallte auf meine umtriebig-hohe Sensitivität. – Ein seelischer Crash, angekündigt und begleitet von psycho-vegetativen Symptomen jeder denkbaren Art. Das gesamte stabilisierende Gerüst meiner Seele brach zusammen. Das Wort meines Hausarztes «Einmal ist dann halt auch mal zu viel Herr Deutscher!», hallte wie ein Echo durch die folgende Zeit. Jede Freude entschwand in ferne, unerreichbare Auen, die Angst durchwehte alle Regungen der Seele. Jedes Symptom wurde zum Anzeichen des endgültigen Endes, jeder Moment der Kraftlosigkeit zur Gewissheit, dass meine Zeit nun unwiederbringlich vorbei sei. Über mich senkte sich das Tal der Todesschatten aus Psalm 23. Jeder neue Tag wurde zur Durchhalteübung, Prisen der Geborgenheit ergaben sich nur in den Armen meiner behinderten Tochter und in den Wärmewellen des Badewannenwassers.
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  • Keuschheit #1 – Gedankenfragmente jenseits von hemmungslosem Liberalismus und bigotter Leibfeindlichkeit


    Nein, der Verfasser dieser Zeilen ist nicht asexuell (ganz im Gegenteil).

    Wer heute eine Wortmeldung zum Thema Keuschheit in den öffentlichen Diskurs werfen möchte, steht unter dem grundsätzlichen Verdacht der bigotten Prüderie, der Feindschaft gegen die Sinnlichkeit oder zumindest des konservativen Reaktionismus. Lassen wir nun einmal all diese Schablonen beiseite und werfen einige gedankliche Streiflichter auf das Thema.

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  • Den Bann der Uneigentlichkeit brechen – Eine intellektuelle Meditation über Apostelgeschichte 16


    Nachdem man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Aufseher, sie gut zu bewachen. Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block.  Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen hörten sie. Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, sodass die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Und sogleich öffneten sich alle Türen und von allen fielen die Fesseln ab.

    Diese beiden Menschen sind an jenem Platze angelangt, der für den guten Weltbürger die Erfüllung seiner grössten Ängste darstellt. Der Leib ist geschunden, die Freiheit in ferne Auen entglitten, die Füsse der Eigenständigkeit zur Erstarrung festgebunden. Wie oft nun stimmt auch die Seele in die Klage der brennenden Wunden und dem Gezeter des verdunkelten Augenlichtes unserer beiden Gefangenen mit ein. Die Bedrückung der äusseren Umstände überwältigt die Seele, wirft sie zurück auf sich selbst, entzieht ihr den Glanz guter Tage, raubt ihrer Erinnerung die Güte alter Zeiten, wird gewahr dem Elend und den Schatten der Bedrängnis, taucht die Gedanken an die Liebenden in bitterste Melancholie.

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  • Leidenschaft


    Leidenschaft

    Verzehrende Gabe, schändende Bürde
    Erfüllende Macht und heilendes Gewicht
    Hinauf zu den Himmeln der Freude
    Und auch hinab in die Öde der Nacht.

    Muss die Leidenschaft zerfressen
    Auf dass dies Lichte loher brennt?
    Als Feind jeden bergenden Masses,
    der ersehnte Behäbigkeit verkennt?

    Keine Hauptesliege stand zu dem Menschensohne
    Und so auch unsere Stütz versag!
    Erst im Urgrund der Blösse
    Sich das Drama zur Vollendung schwingt.

    Weit, tief und hoch das Dasein muss geraten
    damit sich diesem Meister Anteil erwirkt
    Verzehren muss sich der Welten Gaben
    Auf dass sich die Betörung Bahne bricht

    Hinfort mit dem stumpfen Masse
    Herein zum Tor du Fülle und Verzicht
    Auf dass sich das Antlitz des Ewigen
    zeitlich in uns Bahne bricht

    (S. Deutscher)