Silas bloggt

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  • Der Ruf der Idylle – Herr, wohin sollten wir gehen?


    Je konsequenter sich unsere Welt dem Diesseits zuwendet, je mehr sie der Materie endgültige Wirklichkeit zuspricht, desto stärker erklingt der Ruf der Idylle. Dieser Ruf ist allgegenwärtig und unausrottbar. Selbst die frühkindliche Konditionierung der menschlichen Spezies durch einen totalitären Weltstaat könnte diesen Ruf nicht ausschalten. Verdrängt werden kann er nur dann, wenn das Diesseits mit Rauschzuständen umnebelt wird und der Mensch in synthetischer Verklärung seine Existenz zu transzendieren versucht. Es ist ein hoffnungsloses Unterfangen, da der Preis dieser ständigen Verklärung (noch) zu hoch ist und die Rohheit unseres unzulänglichen Daseins sich daraufhin umso kräftiger und schmerzhafter Geltung verschafft. (mehr …)

  • 18 Mädchen sterben bei Brand in christlicher Schule – Ungeschminkte Gedanken über das intellektuelle Scheitern des Theodizee-Problems


    „18 Mädchen sterben bei Brand in christlicher Schule“

    Bei solchen Schlagzeilen – man ersetze diese mit anderen beliebigen Schreckensnachrichten –  taucht sie mit beharrlicher Hartnäckigkeit auf, die Theodizee-Frage (Gott und Leid). Ist diese Frage eine theologische Anmassung, wie Karl Barth sie nennt? Ist sie der Fels des Atheismus? Vor jedem theoretischen Versuch der Klärung des Problems, welcher ohnehin im akuten Moment des Kummers nur scheitern kann, ist da zunächst einmal die existentielle Erschütterung, der Strudel starren Elends, in den man als Betroffener hineingerät. Ich stelle mir vor, dass meine beiden Söhne und meine Tochter, die ich verzweifelt liebe, friedlich schlafend vom Feuer überrascht werden und in den Flammen nach Hilfe schreiend zu Grunde gehen. (mehr …)

  • „The Faith of Christopher Hitchens“ – Das Geschenk der Freundschaft


    Freundschaft zwischen einem Evangelikalen und einem weltbekannten Atheisten.
    Geht das?
    In „The Faith of Christopher Hitchens. The Restless Soul of the Most Notorious Atheist“ erzählt Larry Taunton in bewegender Manier von der Freundschaft zwischen ihm und Christopher Hitchens. (mehr …)

  • Der Meister aus Petersburg – Aufzeichnungen aus dem Kellerloch


    Es gibt bekanntermassen viele grossartige, russische Schriftsteller. Diese Literaturtitanen miteinander vergleichen zu wollen, ist ein schwieriges Unterfangen. Trotzdem scheint mir einer den Rest zu überstrahlen (selbst Tolstoi und erst recht jüngere Autoren wie Bulgakov).

    Es ist Fjodor Dostojewskij, der Meister aus Petersburg (1821 – 1881). Als Dostojewski 16 Jahre alt ist, stirbt seine Mutter, zwei Jahre später überraschenderweise auch sein Vater. Als er vom Tod seines Vaters erfährt, erleidet der junge Dostojewskij in Petersburg einen epileptischen Anfall. Diese Krankheit begleitet ihn sein ganzes Leben. Dostojewskij beginnt zu schreiben, massgebliche Literaturkritiker sind begeistert, so dass er zum Tagesheld avanciert. (mehr …)

  • Der Mythos ist die Wirklichkeit


    Ist nicht alles Sichtbare nicht mehr als ein Schatten wahrer Wirklichkeit? Unsere Seele verlangt nach Bleibendem, hier ist nur Vergängliches. Sie verlangt nach Wahrheit, hier ist Schein. Sie verlangt nach Leben, hier ist umfassendes Sterben. Sie verlangt nach Jugend, hier ist Altern. Sie verlangt nach Entfaltung, hier ist kurze Blüte. Sie verlangt nach Gelingen, hier ist Unzulänglichkeit. Sie verlangt nach Geborgenheit, hier ist Verlust. Nimmt man nun die Wirklichkeit aus der Perspektive geistleerer Rationalität einfach so zur Kenntnis, überhört man das Rufen des menschlichen Geistes. Es entsteht eine Apathie des Geistes und somit eine Abwesenheit aller tiefen und auch tragischen Leidenschaften. (mehr …)