Suchst du noch oder stirbst du schon?


In unseren materialistischen Gefilden scheint eine seltsame Überzeugung um sich zu greifen. Die Überzeugung, dass die Zufriedenheit unserer Seele anhängig ist von Materialien, Menschen oder Errungenschaften, die wir uns aneignen können. Es ist eine absurde Rastlosigkeit, welcher wir uns oftmals hingeben ohne zu hinterfragen. Die Luft ist geschwängert mit der Begierde zu besitzen, anzuschaffen und zu erreichen. Diejenigen, welche sich dieser Atmosphäre entziehen möchten, diese nicht fraglos hinnehmen, warden oftmals als besserwisserische Idealisten aus der pragmatischen Bürgerlichkeit ausgeschlossen.

Es herrscht ein seltsames Streben nach dem nächsten Eigentum, nach dem nächsten Gärtlein, nach der nächsten Afrikasafari, nach dem nächsten Rausch, nach der nächsten irdischen Glücklichkeit. Wenn das Ziel erreicht wird, setzt man ein Neues, denn die Zufriedenheit, die man erwartet hatte, stellt sich nicht ein. Sie löst sich jeweils bald nach dem Erreichen des Ziels in Luft auf. Das mit optimaler Hypothek erworbene Haus wird totenstill und gewöhnlich, das Gärtlein verliert seinen Reiz und die Afrikasafari versucht man noch auf den Fotos krampfhaft zu verklären. Das Auto ist angeschafft, der Flatscreen gekauft, der FCB wiedermal Meister geworden, die Frau geheiratet, die Kinder geboren. Ja, und nun weiter im Lebenstext!

An dieser Stelle machen die etwas helleren Zeitgenossen eine seltsame Beobachtung: Die Bescheidenen dieser Erde scheinen glücklicher zu sein als die Konsumkönige unserer Wohlfahrtsstaaten. Was ist das nur für eine Absurdität? Es ist die Absurdität einer Konsumgesellschaft, welche sich die grundlegenden Fragen des Lebens nicht mehr stellt. Wo gehe ich hin, wenn im Moment meines Sterbens alle meine Errungenschaften und Besitztümer zwischen meinen Händen zerrinnen wie Sand? Wer bin ich eigentlich neben meinen vielen Rollen, die ich bekleiden muss? Für was oder wen lohnt es sich eigentlich zu leben? Was oder wem diene ich? Was zum Himmel soll dieses gewaltige Theater überhaupt? Was macht meine Existenz sinnvoll?

Versucht man mit Menschen, die auf den Materialismus hin konditioniert sind, solche Fragen zu bereden, trifft man oft auf betretenes Schweigen oder ein gesättigtes Abwinken. Die oftmals unausgesprochene Aussage: „Komm mir nicht mit diesem spirituellen Zeugs!“ lässt die Unwilligkeit erkennen, sich mit der eigenen, tiefsten Sehnsucht zu befassen.
Es ist die Sehnsucht nach bleibendem Glück, die Sehnsucht nach ewigem und sinnerfülltem Leben. Die Sehnsucht nach der Möglichkeit, dass meine Existenz eingebunden sein könnte in einen abenteuerlichen, göttlichen Zusammenhang. Geht man dieser Sehnsucht nach wie einem rettenden Faden in einem Labyrinth trifft man auf den Einen, der gesagt hat: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ In der Gegenwart dieses Einen jaulen die Götzen des Materialismus verzweifelt auf, weil sie wissen, dass sie nun entzaubert werden und die Ewigkeit hineinbricht über den Menschen am Ausgang des Labyrinths der irdischen Eitelkeiten.

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