• Meiner geliebten Grossmutter zum 80. Geburtstag


    Erinnerungen

    Wir drehen unser Rad der Zeit
    Zu den fernen Schatten der Vergangenheit

    Vor Augen kommet uns ihr längst verstrichenen Tage
    Gleich einer nie verklingenden Sage

    Unser Blick wende sich hin zu jenen Stunden
    Ohne Nostalgie, Tränen und Wehmutskunden

    Man schrieb das Jahr 1987 zu Basel
    Im Dezember, zu Taubheit erstarrt die Äste des Hasel

    In der Klinik zu St. Joseph bald ein Knabe soll geboren sein
    Fallen liess eine junge Frau den Löffel, verschüttend den Festtagswein

    Das Antlitz der Grossmutter erst sorgenvoll umwölbt von tiefem Kummer
    Wandelte sich in Freude beim Anblick des Kindes im Schlummer

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  • Wirklichkeit im Glanz der Wahrheit


    Gewidmet Josh. N. zum 30. Geburtstag


    Unlängst prägte sich mir ein atmosphärisch dicht geladenes Bild ein. Ich befand mich mit meiner Familie auf einem Bauernhof und blickte aus erhöhter Lage hinab auf eine Szenerie der reinsten Fülle. Vor einer alten Scheune standen zwei an eine alte Kutsche gezäumte Pferde. Neben dem Gefährt unterhielten sich zwei rundlich-rotwangige Männer, deren Gespräch nur von ihren kräftigen Schlucken aus den eilig für sie herbeigebrachten Gerstensäften unterbrochen wurde. Vor ihnen auf dem sonnenüberfluteten Boden lag ein kleiner Hund, der lustvoll vor sich hindöste. Neben dem Wagen war ein alter hölzerner Torbogen zu erblicken über welchem alte Gerätschaften zur Schau aufgehängt waren. Links neben dem Wagen blickte ein Fohlen aus der halb geöffneten Stalltür und ergötzte sich neugierig an der Betriebsamkeit. Nicht weit daneben stand ein Vater, der mit seiner grossen, vom Wetter gegerbten rechten Pranke die feine Hand seines Sohnes zärtlich umschloss.

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  • “Ein neuer Mensch werden” – Subjektivistische Gedankenfragmente über die Regungen der Seele in der Krise


    _PROLOG_
    Im letzten Jahr war es soweit: Mein verbissener Ehrgeiz kollidierte mit der Grenze meiner seelischen Kapazität. Meine mangelnde Bereitschaft, auch mal nicht alles zu geben, prallte auf meine umtriebig-hohe Sensitivität. – Ein seelischer Crash, angekündigt und begleitet von psycho-vegetativen Symptomen jeder denkbaren Art. Das gesamte stabilisierende Gerüst meiner Seele brach zusammen. Das Wort meines Hausarztes «Einmal ist dann halt auch mal zu viel Herr Deutscher!», hallte wie ein Echo durch die folgende Zeit. Jede Freude entschwand in ferne, unerreichbare Auen, die Angst durchwehte alle Regungen der Seele. Jedes Symptom wurde zum Anzeichen des endgültigen Endes, jeder Moment der Kraftlosigkeit zur Gewissheit, dass meine Zeit nun unwiederbringlich vorbei sei. Über mich senkte sich das Tal der Todesschatten aus Psalm 23. Jeder neue Tag wurde zur Durchhalteübung, Prisen der Geborgenheit ergaben sich nur in den Armen meiner behinderten Tochter und in den Wärmewellen des Badewannenwassers.
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  • Keuschheit #1 – Gedankenfragmente jenseits von hemmungslosem Liberalismus und bigotter Leibfeindlichkeit


    Nein, der Verfasser dieser Zeilen ist nicht asexuell (ganz im Gegenteil).

    Wer heute eine Wortmeldung zum Thema Keuschheit in den öffentlichen Diskurs werfen möchte, steht unter dem grundsätzlichen Verdacht der bigotten Prüderie, der Feindschaft gegen die Sinnlichkeit oder zumindest des konservativen Reaktionismus. Lassen wir nun einmal all diese Schablonen beiseite und werfen einige gedankliche Streiflichter auf das Thema.

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  • Der Terror der Angst im Schosse der Oase


    Wenn man zu den wenigen Privilegierten dieser Erde gehört, die mit der Familie Ferien am Meer verbringen können, dann lauert da ein grundsätzliches Unbehagen gegenüber der trügerischen Idylle, der ungetrübten Oase. Dankbarkeit und Genuss mischen sich mit Verdacht und geistigem Ringen.

    Was verdient wohl die gute Frau, die meine Tücher täglich vom Boden aufliest? Was für ein Leben ist demjenigen vergönnt, der mir den Kaffee serviert? Habe ich das Recht, bedient zu werden?

    Heute Morgen brach der Terror der Angst ins Herz der friedlichen Musse. Mein Blick fiel auf meinen 2-Jährigen Sohn, der meine Pillen zur Blutdrucksenkung in den Händen hielt.

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